2013: Berlin DE – „Miteinander im Glauben“

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Alle Teilnehmenden des Laienforums in Berlin

Jeden Morgen weckten uns Klarinettenklänge von Pater Reinhard Körner im mit 44 Teilnehmern (und zusätzlichen Tagesgästen) vollgefüllten Gästehaus der Karmeliten in Birkenwerder bei Berlin. Dort fand vom 14. bis 18. August das Internationale Altkatholische Laienforum zum Thema „Miteinander im Glauben“ statt.
Am ersten vollen Tag, am Donnerstag, wurde eine spannende Führung mit dem Schiff und zu Fuß durch Berlin organisiert. Ein fachkundiger Führer aus der Gemeinde Berlin zeigte uns historische und spannende Details der Hauptstadt. Nach der sechsstündigen Führung trafen wir uns zum Abend-Gottesdienst mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin im Stadtteil Wilmersdorf. Anschließend gab es bei einem „Berliner Spezialitäten-Buffet“ Zeit, sich näher kennenzulernen.

„Religiöse und Religionslose – und was sie spirituell verbindet“ – mit diesem Impulsvortrag faszinierte unser Gastgeber Pater Reinhard Körner am zweiten Tag die Teilnehmer. In keiner anderen Region der Welt gibt es so viele nicht konfessionell Gebundene wie im Osten Deutschlands mit 86% Anteil an der Bevölkerung. Die wenigsten davon sind „bekennende“ Atheisten, die sich bewusst zur Religionslosigkeit entschieden haben. Die meisten sind Religionslose, die mit Religion nie richtig in Kontakt gekommen sind. Ethisch-moralische Lebensausrichtungen und Leitideale findet Pater Körner auch bei seinen religionslosen Bekannten. „Wir sind miteinander (Gottes-)Menschen, zuallererst“, betont Pater Körner. Gott gehe seinen Weg mit allen Menschen.

Die Christen seien nicht exklusiv zum Heil berufen, sondern „Mitarbeiter Gottes“, also Teil der Sendung Jesu. Alle Menschen haben dieselbe Grundspiritualität des Hörens auf die Weisheit. Weisheit kommt nicht vom Wissen, sondern vom Hören auf weiter-weisende Wahrheiten, die Pater Körner auch in Äußerungen z. B. seiner religionslosen Küchenhilfen bemerkt. Unsere christliche Aufgabe sei es, die vor allem in der Bibel aufgezeichnete Weisheit Gottes weiter zu vermitteln – in Wort und mehr noch in Tat. Dabei ginge es auch um Übersetzen der Kirchensprache für normale Menschen, wobei wir zunächst selber den Sinn verstehen lernen müssen: „Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig“ (2 Kor 3,6). Alle Menschen sind noch unfertig, die Hauptarbeit mache Gott über die Mitmenschen: „Christ sein kann man nur mit anderen zusammen, ist ein Geschenk.“

Anschließend befassten wir uns in drei Gruppen mit den vielen spannenden Gedanken:

  1. „Warum bin ich in der Kirche“: willkommen fühlen, Wertschätzung, Offenheit der Kirche, gute Zusammenarbeit der Verantwortlichen, Synodalität u.v.m.
  2. „Diakonie in der Gemeinde: Dinge, die übers Geldgeben hinausgehen“ – Kranken und Einsamen Zeit schenken; fairer Einkauf der Gemeinden etc. Dabei ist ein Prozess anzustoßen: Gemeindemitglieder locken, Kümmerer schaffen, Fähigkeiten über Umfragen entdecken
  3. „Wann sollte ein Christ in unserer Gesellschaft die Stimme erheben“: Ethikfragen wie vorgeburtliche Diagnostik, Sterbehilfe; Diskriminierungen, Flüchtlinge; Einberufung von Kommissionen durchführen.

Nach Abendessen und Abendandacht trafen sich alle noch im Klosterkeller bei guten Getränken.

In der Vereinsversammlung (VIAKL – Verein Internationales Altkatholisches Laienforum) am Samstag wurden die nächsten Tagungsthemen (Generations- und Migrationsfragen) und -orte festgelegt: 2015 in der Schweiz, 2016 in Tschechien. Da 2014 der Altkatholikenkongress in Utrecht stattfindet, wird 2014 kein Laienforum durchgeführt, aber im Herbst 2014 wird ein Treffen in Meran zum 100. Todestag des „Vaters der Synodalität der AK-Kirche“, Johann Friedrich von Schulte, angeboten werden.
Schließlich wurden noch PR-Ideen und ein Logo für das Laienforum entwickelt und verabschiedet.
Mit vielen guten Gedanken zur Diakonie (Dienst am Gemeinwesen und für Katastrophenopfer) konnten sich die Anwesenden auch beim Besuch einer Mormonen-Gemeinde auseinander­setzen. Deren soziales Engagement regte spannende Diskussionen an.

Am Sonntag, dem letzten Tag, trafen sich die Teilnehmer des Forums zum Gottesdienst mit anschließendem Beisammensein in der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin. Mit einer bewegenden Predigt entließ Pfarrer Ulf-Martin Schmidt die Anwesenden zurück in ihre Länder.
Wir danken dem Berliner Organisationskomitee für die hervorragende Arbeit und der Gemeinde Berlin für ihre große Gastfreundschaft und freuen uns auf viele bekannte und auf neue Teilnehmer beim Laienforum 2015 in der Schweiz!

Johannes Reintjes,
Vorstand im Verein Internationales Altkatholisches Laienforum