Laienforum 2017 vom 23.-27. August 2017

Das Laienforum hat heuer vom 23.-27. August in Wels unter dem Thema: „Warum Altkatholisch? – werden wir noch gebraucht?“ stattgefunden, wurde von 34 Teilnehmenden und weiteren Besuchern und den Referenten gestaltet und großartig von der einladenden Altkatholischen Kirche Österreichs von Peter Kronewitter und Margarete Krammer organisiert.
Im Fokus stand die Diskussion zur historischen Aufgabe unserer Altkatholischen Kirchen (AKK).

Angeregte Diskussionen

Auf den Feldern der Diakonie und der Martyria (= Glaubenszeugnis) verwirklichen wir in lebensbejahenden Gemeinden und durch unsere persönliche, authentische Lebensführung diesen Anspruch durchaus. So geben wir Beispiele für Toleranz und Offenheit (Wiederverheiratete, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Engagement Geflüchtete). Eine interessante Diskussion führten wir dazu in der evangelischen Christuskirche in Wels mit Pfarrer Bernhard Petersen. Unsere Alternative zu bestehenden religiösen Angeboten in einer informativen Öffentlichkeitsarbeit darzustellen sind wir möglicherweise auch verpflichtet.

Als Koinonia (= Gemeinschaft) gilt es, basisdemokratische Strukturen weiter und intensiver mit Praxis und Leben zu erfüllen. Mit Beteiligung möglichst vieler Gemeindemitglieder und nicht nur mit „ausgewählten“ gilt es, das Gemeindeleben zu gestalten und zu bereichern. Gemeindeversammlungen und Synoden sind im Kirchencafe und eigenen Veranstaltungen vorzubereiten und zu kommunizieren, wobei nicht nur das Recht, sondern auch das Bewusstsein der Pflicht zur Mitgestaltung den Erfolg ausmacht.

Eine unsere Stärken liegt in einer Liturgie (Liturgia, die vierte Aufgabe der Glaubensgemeinschaft), die Quelle und Gipfel unserer Spiritualität zugleich ist, die Herkömmliches mit Überraschungen, Strukturen mit Erneuerungen und Vorstellungen mit Erwartungsfreiheit verbindet.
In dieser Vielfalt und Lebendigkeit treten wir, wie der österreichische Generalvikar Martin Eisenbraun ausführte, als Reich-Gottes-Gemeinschaft dem postmodernen „Tanz um das Goldene Selbst“ entgegen und haben als Beispiel verwirklichter Forderungen einer Kirche auch von unten eine wichtige Rolle.

Auch Bischof em. Bernhard Heitz betonte die Verwirklichung von Gerechtigkeit, Respekt und Gleichberechtigung als die Aufgabe der AKK, denn darin begründe sich unser eigentliches Merkmal innerhalb der Familie der christlichen Kirchen. Unsere Vision sei die katholische (= allumfassende) Einheit mit Referenz auf die „ersten tausend Jahre“ der Kirche. Dazu gehöre auch das anspruchsvolle Demokratie-Modell mit der bischöflich-synodalen Struktur mit Betonung der Ortskirche ohne Zentralismus. Mit diesem und unserem Einsatz für die Ökumene seien wir auf dem Weg zu der angestrebten „Ekklesia für alle“. Die letztliche Antwort auf die Titelfrage wäre somit ein deutliches „Ja“ – ja, wir werden als AKK um der Freiheit willen gebraucht, als positives Beispiel in einer Welt zunehmender Intoleranz.

Die TeilnehmerInnen genossen jenseits der Diskussionen, Andachten und Vorträge die Schönheit des Puchheimer Renaissanceschlosses, die landschaftlichen Reize und kulinarischen Genüsse des „Mostviertels“ und die Gastfreundschaft unserer österreichischen Schwesterkirche. Die Begegnungen mit alten und neuen Freunden aus Österreich, Schweiz, Niederlanden und Tschechien und das gemütliche Zusammensein lassen uns auf das nächste Treffen freuen, das 2018 in Wien als internationaler „Kongress“, also mit Laien und Geistlichen, organisiert wird.

Im gemeinsamen Abschlussgottesdienst und Mittagessen mit der Linzer Gemeinde haben wir schon das „Anthem for the Old-Catholic Congress in Vienna“ vom Linzer Pfarrrer Samuel Ebner gesungen. Das nächste Laienforum wird im August 2019 in Südtirol stattfinden.

Doris Echterbroch und Johannes Reintjes

Bilder zum Forum:

Einige Dokumente zum Download: